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Final destination: Paradise

Nachdem wir auf unserem Trip bisher keinen echten ruhigen Tag hatten, haben wir es nun nach 8 stündiger Auto- und 3 stündiger Fährfahrt endlich zu den Banyak-Inseln geschafft – unserem lang ersehnten Erholungsziel.

Die Fahrt hierher war eine Tortur. Zunächst waren da die 8 Stunden Schlaglochpiste vom Tobasee zu unserem Zwischenquartier in Singkil, welches wir kurzerhand wieder aufgaben, nachdem wir im Ort noch ein anderes Hotel mit richtiger Toilette, Dusche und weniger Muff im Zimmer gefunden hatten (Hotel Alviya). Am nächsten Morgen dann die Überfahrt mit der Fähre, welche nur 2x die Woche verkehrt. Es gab Widersprüchliche Empfehlungen, wann wir da sein sollten. Laut Fahrplan fuhr die Fähre um 9, dennoch sagten die einen wir sollten schon um 8 da sein, andere sagten, die fährt eh nie pünktlich. Wir waren 8:30 da, 8:45 öffnete dann auch der Ticket-Schalter und 11:15 legte die Fähre schließlich ab. Derweil waren wir von den Indonesiern an Board schon völlig zugequalmt und die ersten Kopfschmerzen bahnten sich an.

Bei der Überfahrt schockierten uns die indonesischen Passagiere (also alle außer uns) mal wieder mit ihrer völligen Abwesenheit von Umweltbewusstsein. Noch qualmende Zigarettenreste landeten einfach auf dem Boden, so wie natürlich auch jeglicher Müll – ausgenommen der Müll, der direkt über die Boardwand flog. Plastikflaschen, Verpackungen,.. alles.. aus den Augen aus dem Sinn.

Nach diesen letzten Eindrücken kultureller Verkommenheit konnte uns unser kleines einsames Bungalow-Resort, welches wir über ein kleines Holzboot erreichten, nur noch wie das Paradies vorkommen.







Wir sind die einzigen Gäste und so könnte man sagen, wir haben die ganze Insel gemietet. :-) Vor dem Bungalow ist ein kleines Korallenriff, welches wir natürlich sofort mal erkunden mussten.



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Batak People

Indonesien.. ein Land gefühlt unendlich vieler Völker. Egal wo man hinkommt, hat man es wieder mit einer anderen Kultur zu tun – jeweils mit eigener Religion, Sprache und Tradition. Das wechselt nicht nur von Insel zu Insel sondern auch regional auf den größeren Inseln wie zum Beispiel Sumatra.

Heute also sind wir nichtsahnend in eine Tieropferzeremonie der (christlichen) Batak geplatzt.



Die Agenda:




Am Rande der Zeremonie haben wir eine Tüte Popcorn gekauft – gab's in den Farben rot, grün und normal; wir entschieden uns für letzteres – und ein paar Kilometer weiter verspeist. (auf der Zeremonie war's Jelle zu laut)

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Auf zum Tobasee, vorbei an abgeholztem Regenwald

Das Reisen auf Sumatra ist wenn man nicht beliebig viel Zeit und einen gewissen Anspruch hat, doch vergleichsweise teuer und langwierig. Entsprechend wohl überlegt wollen die nächsten Schritte sein – eine Sache, die uns nicht so recht liegt. Aber wenn man erst einmal 8 Stunden mit dem Auto in eine Richtung zum nächsten Ziel gefahren ist, dann wär schon blöd, wenn man vor Ort feststellt: ach passt doch nicht.

Somit ging die letzten Tage doch einige Zeit für Recherche und Überlegungen drauf, wie wohl die nächsten Schritte aussehen. Irgendwie wollen wir in diesem Urlaub auch noch Strand und Schnorcheln erleben und das ist auf Sumatra gar nicht so einfach, wie sich herausstellt. Ein viel gelobtes Paradies sind die Banyak Inseln westlich von Sumatra, aber zur Fähre nach Singkil sind es etwa 12 Stunden mit dem Auto. Nach Abwägung aller möglichen Alternativen unter Berücksichtigung mancherorts stark ausgeprägter muslimischer Reglements, auf die wir am Strand keine Lust haben, haben wir schließlich beschlossen, zunächst zum Tobasee zu fahren, dort ein paar Tage zu entspannen um dann in einer weiteren Etappe Singkil und die Banyaks anzusteuern.

Also auf zum Tobasee. 223 km in etwa 7-8 Stunden. Wenn man sich beeilt. Fortbewegung schneller als 40 km/h bedeutet auf hiesigen Straßen allerdings einigen Nervenkitzel. Nach einigem Rumfragen in Bukit Lawang finden wir einen Fahrer, der uns für 1,1 Mio Rupiah (ca 73 Euro) bringt.

Aber erst einmal Frühstück. Jelle hat gesagt, er sucht diesmal das Frühstücksrestaurant aus.



Und siehe da.. hinter dem Restaurant nistet ein Orang Utan Weibchen mit Baby. Wir haben gelernt, dass Orang Utans täglich 3 neue Nester bauen. Es ist also nicht so, dass man neben einem leeren Nest hocken und darauf hoffen kann, dass die Bewohner zurückkehren. Alte Nester bleiben in der Regel ungenutzt.



Nach dem Frühstück auf zum Auto.



On the Road again.. Schulkinder sind immer wieder ein Phänomen:





Und Kaffee... man hätte damit rechnen können, dass auch für Kaffee Regenwald abgeholzt wird. Wir waren angesichts der Ausmaße und Auswirkungen frisch angelegter Kaffeeplantagen aber echt schockiert. In den Plantagen stehen noch die Reste der abgeholzten Bäume und vereinzelt haben einzelne Urwaldriesen die Rodungen überlebt und erinnern an die Welt, welche hier plattgemacht wurde. Bei unserem Stopp hörten wir im Hintergrund die Kettensägen heulen.. unfassbar.









Wir umrundeten den Mount Sinabung. Ein Vulkan, welcher nach 400 Jahren Ruhe seit ca 10 Jahren wieder aktiv ist und die Region wachrüttelte.



Kurzer Stopp am Sipisopiso Wasserfall...



... bevor wir endlich den Tobasee erreichen – ein gigantischer Kratersee. Der größte seiner Art weltweit. Aus der Ferne war der Blick noch etwas diesig, als wir dann mit der Fähre auf die Halbinsel Samosir übergesetzt hatten, war das Bild schon etwas besser.



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Rafting Home

Ja wie kommt man von so einem Dschungelausflug eigentlich angemessen wieder nach "Hause"? – Richtig: man bindet in paar rumliegende Traktorschläuche zusammen und nimmt den Fluss.

Irgendwie konnten uns die Guides davon überzeugen, dass das total sicher wäre.

















Was für ein Spaß!

Und kurz vor Schluss kamen wir noch an unserem Quartier vorbei, welches wir nach der Tour für eine Nacht beziehen wollten: Der Honeymoon Suite der Green Travellodge. :-)

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Bukit Lawang Jungle Trekking

Wir waren ein wenig im Nationalpark bei Bukit Lawang unterwegs. Zwei Tage lang, samt Übernachtung im Dschungel. Die Tour hat unsere Erwartungen in jeglicher Hinsicht übertroffen.

Zunächst einmal war sie viel viel anstrengender als gedacht: es ging Berge hoch und runter und hierzulande läuft man nicht extra Schleifen, um es einfacher zu gestalten. Man klettert. Äste, Wurzeln und Lianen zum Festhalten gibt es ja genug. Der feucht-schlammige Lehmboden hingegen bietet gar keinen Grip. Die aktuelle Regenzeit ist da natürlich ein Bonus. Die letzten zwei Stunden hatte ich Jelli in der Kraxe, aus Sicherheitsgründen, mit dabei 3 Liter Wasser, Klamotten und Kamera... letztere traute ich mich auf dem Stück gar nicht mehr hervorzuholen. Es ging im wesentlichen bergab, aber so steil, dass man kaum vorwärts gehen konnte. Meine Beine erzählen mir noch heute davon.

Der Guide erzählte uns zwischendurch, er wäre mit uns extra die leichte Route gegangen. Wegen kleines Kind und so.

Aber die Mühe wurde mehr als belohnt.























Das Camp erinnerte ein wenig an alte Rambo Filme. Nur das dort nicht plötzlich ein Orang Utan mitten im Camp auftauchte.



Zwischenzeitlich fühlten wir uns regelrecht belagert. Von der einen Seite der Orang Utan, auf der anderen ein Rudel diebische Langschwanzmakaken, welche sich vorsichtig vom Fluss her in Richtung Küche heranschlichen.

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Welcome to the Jungle

Nachdem ich in den letzten zwei Einträgen ein wenig über Medan abgelästert habe, könnte manch einer sich fragen: Warum das Ganze? Das fragte ich mich übrigens auch, ganz kurz.

Das wird einem hier vor Ort zum Glück ganz schnell klar, wenn man auch nur einen Millimeter hinter die infrastrukturellen Defizite schaut. Sumatra – und Indonesien im Allgemeinen – ist unfassbar reich an freundlichen, aufgeschlossenen, toleranten und neugierigen Menschen. Hier sind wir die Exoten und man begegnet uns durchweg mit einer überwältigenden Freundlichkeit, die einem die Tränen in die Augen treiben könnte. Wir laufen die Straße entlang und aus vorbeifahrenden Autos oder Mopeds werden wir gegrüßt. Jegliche Personal im Hotel, welches auch nur den Hauch eines Blickkontaktes erhascht, grüßt sofort. Der Junge, der uns zum Frühstück den Kaffee brachte und hörte, dass wir heute das Hotel verließen, wünschte uns einen tollen Trip.. und die Freundlichkeit wirkt bei aller Überschwänglichkeit nicht aufgesetzt gekünstelt.

Nun kommen wir nicht nur nach Sumatra, um mal freundliche Menschen zu erleben, aber diese Kultur hat uns seit unserem ersten Indonesienbesuch auf jeden Fall in ihren Bann gezogen. Und da spielt es keine Rolle, ob man es mit Muslimen, Hindus oder Christen zu tun hat. Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit ist offenbar keine religionsspezifische Eigenschaft.

Der Hauptgrund für unseren Besuch ist die noch kaum berührte Natur, die frei von Massentourismus erlebt werden kann. Dort wo man für 80km Straße ca 4 Stunden Auto fährt, gelten noch andere Gesetze – was den Tourismus angeht. Auf Sumatra bietet sich so die weltweit exklusive Chance (neben Borneo), frei lebenden Orang Utans im Regenwald zu begegnen.

Und so führte uns die heutige 4-stündige Autofahrt nach Bukit Lawang, der letzten Siedlung am Bahorok Fluss vor dem Gunung Leuser Nationalpark. Der Weg dahin hatte es in sich und neben kreativer Wegefindung auf kaputten Straßen bestaunten wir das Dorfleben in Sumatra.

So sieht das Palmöl aus, bevor es in unserer Margarine landet.



Und so ein Schulbus.



Und dann kam auch das Auto nicht mehr weiter. Nur noch über die Brücke und dann rechts halten.. unsere Hütte.






Und was wäre ein Regenwald ohne – richtig! – Regen?



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Spaziergang in Medan

Nachdem wir bereits gestern schon die "Schönheit" Medans in vollen Zügen genießen konnten, haben wir uns heute nochmal hineinbegeben. Der morgentliche Blick aus dem Fenster ließ bereits Vorfreude aufkommen und erstmal drin im Getümmel, war die Begeisterung kaum zu bändigen. Hatte ich schon die fantastisch ausgebauten Fußwege erwähnt? Wir sahen sogar einen Fahrradfahrerschieber. Es ist schon Pech, wenn man der einzige Radler in der Stadt ist: dann ist man natürlich auch derjenige, der den Platten bekommt.


























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Sumatra – Es geht los

Da sind wir nun also. Medan auf Sumatra entspricht so ziemlich dem, was wir erwartet haben: ein südostasiatisches Molloch, eine Metropole, an der alle positiven Entwicklungen der Region vorbei gegangen sind. Ein Schmelztiegel, der jeden aufnimmt, aber niemandem etwas bietet. Das wurde uns von allen Reiseführern der Welt vorhergesagt und genau so ist es gekommen. Man kann es sich kaum vorstellen, selbst wenn man da ist.

Warum sind wir also hier?

Wir wollten nach 17 Stunden Anreise von Berlin über Singapur nicht noch 4 Stunden Autofahrt dranhängen, um unser eigentliches Ziel, den Dschungel bei Bukit Lawang, zu erreichen. Deshalb also zwei Nächte in Medan, um anzukommen. Das hat noch nie geschadet, dachten wir, nach Ankunft den Vibe der Region aufsaugen. Dass hat vor zehn Jahren schon in Bangkok funktioniert, warum nun also nicht in Medan?

Nun,... Medan ist nicht Bangkok.

Aber Medan verrät dennoch viel über die Gegend, die Menschen, das Leben auf Sumatra. Warum sollte jemand hier leben wollen? Kann es auf den Dörfern noch schlimmer sein? Noch weniger Perspektive?

Wir nahmen den Zug vom Flughafen in die Stadt. Die ersten Eindrücke waren bekannt asiatisch idyllisch. Reis und Gemüse wurde auf kleinen Feldern angebaut. Die Bauern waren in akribischer Handarbeit beschäftigt, ihre Setzlinge in den Boden zu bringen und die abgeernteten Felder mit kleinen Maschinen umzupflügen. Doch das Bild wechselte schlagartig. Nur einen Wimpernschlag später ersetzten Bruchbuden mit Wellblechdächern die Felder. Dieses Bild blieb dann stehen bis Downtown Medan. Die ganze Stadt wirkt wie eine einzige Anhäufung von Bauschrott. Zwischendrin gelegentlich ein Hochhaus oder ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit, aber im großen und ganzen ein einziger Slum.



Zwischen all den Häusern tummeln sich Autos und Motorräder und drei Fußgänger. Das sind wir. Die Straßen sind nicht für Menschen gemacht. In den teilweise vorhandenen Fußwegen klaffen riesige Löcher oder sie sind blockiert von parkenden Fahrzeugen oder Baustellenabsperrungen. Nur 800 Meter sind es vom Bahnhof bis zum Hotel, aber zu Fuß in Medan ist das eine Tortur. Die wuseligen, teils 4-spurigen Straßen sind nur überquerbar, wenn man sich dem Verkehr direkt in den Weg stellt und darauf verlässt, dass die Autos schon bremsen werden. Bisher hat das so funktioniert. Fußgängerampeln gibt es nicht und die für den Fahrverkehr werden geflissentlich ignoriert, so wie Stoppschilder in Deutschland. Sie sind Orientierungshilfen, wer im Zweifel Vorfahrt hat, mehr nicht.

Unser Hotel ist eines der Hochhäuser in der Gegend. Das JW Mariott. Die angeblich beste Adresse in der Stadt.

Wir werden freundlich empfangen. Unser Zimmer ist morgens um 10 noch nicht fertig, aber wir können schon die Duschen am Pool nutzen und in der Executive Lounge entspannen – Kaffee, Tee, Softdrinks und Snacks inklusive. So kann man sich selbst in Medan wohl fühlen. Und schließlich bekamen wir auch unser Zimmer. Und das passte vom Timing gut in unseren bewährten Anti-Jetlag-Plan: wir legten uns zum Mittagsschlaf hin und stellten den Wecker, um den örtlichen Nachmittag nicht zu verschlafen. Nach dem Nickerchen genossen wir in der Lounge noch Drinks und ein kleines Vesper-Buffet, bevor wir uns noch einmal auf die Straße wagten.

Und im Dunkeln ist dann selbst Medan irgendwie fotogen. Hinzu kommt, dass uns unser Glück just zu einem muslimischen Feiertag in die Stadt führte und deshalb nicht nur der Hotelpool völlig überfüllt war sondern auch die Central Mall, in welcher sich all die Läden tummelten, welche man auch in jeder anderen Mall weltweit findet.





Der Blick aus unerem Zimmer im 28. Stock ist naturgemäß natürlich etwas Besonderes: