November 9th, 2019

mountainview

Sumatra – Es geht los

Da sind wir nun also. Medan auf Sumatra entspricht so ziemlich dem, was wir erwartet haben: ein südostasiatisches Molloch, eine Metropole, an der alle positiven Entwicklungen der Region vorbei gegangen sind. Ein Schmelztiegel, der jeden aufnimmt, aber niemandem etwas bietet. Das wurde uns von allen Reiseführern der Welt vorhergesagt und genau so ist es gekommen. Man kann es sich kaum vorstellen, selbst wenn man da ist.

Warum sind wir also hier?

Wir wollten nach 17 Stunden Anreise von Berlin über Singapur nicht noch 4 Stunden Autofahrt dranhängen, um unser eigentliches Ziel, den Dschungel bei Bukit Lawang, zu erreichen. Deshalb also zwei Nächte in Medan, um anzukommen. Das hat noch nie geschadet, dachten wir, nach Ankunft den Vibe der Region aufsaugen. Dass hat vor zehn Jahren schon in Bangkok funktioniert, warum nun also nicht in Medan?

Nun,... Medan ist nicht Bangkok.

Aber Medan verrät dennoch viel über die Gegend, die Menschen, das Leben auf Sumatra. Warum sollte jemand hier leben wollen? Kann es auf den Dörfern noch schlimmer sein? Noch weniger Perspektive?

Wir nahmen den Zug vom Flughafen in die Stadt. Die ersten Eindrücke waren bekannt asiatisch idyllisch. Reis und Gemüse wurde auf kleinen Feldern angebaut. Die Bauern waren in akribischer Handarbeit beschäftigt, ihre Setzlinge in den Boden zu bringen und die abgeernteten Felder mit kleinen Maschinen umzupflügen. Doch das Bild wechselte schlagartig. Nur einen Wimpernschlag später ersetzten Bruchbuden mit Wellblechdächern die Felder. Dieses Bild blieb dann stehen bis Downtown Medan. Die ganze Stadt wirkt wie eine einzige Anhäufung von Bauschrott. Zwischendrin gelegentlich ein Hochhaus oder ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit, aber im großen und ganzen ein einziger Slum.



Zwischen all den Häusern tummeln sich Autos und Motorräder und drei Fußgänger. Das sind wir. Die Straßen sind nicht für Menschen gemacht. In den teilweise vorhandenen Fußwegen klaffen riesige Löcher oder sie sind blockiert von parkenden Fahrzeugen oder Baustellenabsperrungen. Nur 800 Meter sind es vom Bahnhof bis zum Hotel, aber zu Fuß in Medan ist das eine Tortur. Die wuseligen, teils 4-spurigen Straßen sind nur überquerbar, wenn man sich dem Verkehr direkt in den Weg stellt und darauf verlässt, dass die Autos schon bremsen werden. Bisher hat das so funktioniert. Fußgängerampeln gibt es nicht und die für den Fahrverkehr werden geflissentlich ignoriert, so wie Stoppschilder in Deutschland. Sie sind Orientierungshilfen, wer im Zweifel Vorfahrt hat, mehr nicht.

Unser Hotel ist eines der Hochhäuser in der Gegend. Das JW Mariott. Die angeblich beste Adresse in der Stadt.

Wir werden freundlich empfangen. Unser Zimmer ist morgens um 10 noch nicht fertig, aber wir können schon die Duschen am Pool nutzen und in der Executive Lounge entspannen – Kaffee, Tee, Softdrinks und Snacks inklusive. So kann man sich selbst in Medan wohl fühlen. Und schließlich bekamen wir auch unser Zimmer. Und das passte vom Timing gut in unseren bewährten Anti-Jetlag-Plan: wir legten uns zum Mittagsschlaf hin und stellten den Wecker, um den örtlichen Nachmittag nicht zu verschlafen. Nach dem Nickerchen genossen wir in der Lounge noch Drinks und ein kleines Vesper-Buffet, bevor wir uns noch einmal auf die Straße wagten.

Und im Dunkeln ist dann selbst Medan irgendwie fotogen. Hinzu kommt, dass uns unser Glück just zu einem muslimischen Feiertag in die Stadt führte und deshalb nicht nur der Hotelpool völlig überfüllt war sondern auch die Central Mall, in welcher sich all die Läden tummelten, welche man auch in jeder anderen Mall weltweit findet.





Der Blick aus unerem Zimmer im 28. Stock ist naturgemäß natürlich etwas Besonderes: