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Lombok 2016 – Anreise - JBlog — LiveJournal [entries|archive|friends|userinfo]
Jon

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Lombok 2016 – Anreise [Nov. 14th, 2016|10:37 am]
Jon
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Air Asia

Endlich sind wir da. Nach quasi zwei Tagen aufregender Anreise haben wir es tatsächlich geschafft, wir sind auf Lombok. Damit sind wir schonmal einen Schritt weiter als letztes Jahr, wo uns Mount Rinjani mit einem Aschewölkchen auf Abstand hielt. Dafür – wir hatten es schon fast verdrängt – holte uns das Thema Jetlag wieder ein. Jelli hält unbeirrt an seinem hart erarbeiteten Rhythmus fest und schließt erst 2 Uhr morgens die Augen, also 20 Uhr MEZ. Aber da müssen wir wohl durch, mal schauen, wie lange es diesmal anhält.

Die Anreise über Istanbul und Kuala Lumpur verlief problemlos, außer... das Reisen mit einem kleinen Kind ist ja grundsätzlich etwas strapaziöser als ohne, weil man das Kind ja nicht unbedingt von der Sinnhaftigkeit des langen und möglichst ruhigen Sitzens überzeugen kann. Also zumindest ist das bei Jelli so. Der Drang zur Bewegung und Lärmerei lässt sich auch kaum abstellen, höchstens durch geeignete Ablenkung. Aber ein bisschen Raum sollte schon sein. Wohlwissend haben wir uns also schon vor Flugbuchung telefonisch bei Turkish Airlines erkundigt, dass noch Platz in der vorderen Sitzreihe ist, welche etwas mehr Platz bietet und in der Regel für Familien mit kleinen Kindern frei gehalten wird, und reservierten auch gleich 3 Plätze. Das ging dieses Mal sogar umsonst, bei unserer letzten Reise mit Lufthansa kostete das gleich mal 50 EUR pro Person und Flug extra. Super Service von Turkish Airlines!

Als wir dann vorgestern, also etwa 2 Monate später den Flieger für den Langstreckenflug in Istanbul bestiegen, überraschte es dann doch ein wenig, dass die reservierten Plätze in Reihe 2 der Economy Class lagen. Das ergab irgendwie überhaupt keinen Sinn. Vor uns, in der begehrten vorderen Reihe, machten sich aber auch gleich ein paar langbeinige Herrschaften breit, von denen kaum zu erwarten war, dass sie mit uns tauschen würden. Janine nahm es nicht ganz so locker wie ich und sprach nach einigem Zaudern eine Flugbegleiterin an. Was sollte die schon ausrichten, dachte ich. Sie versprach einsilbig, sich darum zu kümmern und verschwand in den Tiefen der Sitzreihen. Wir hatten die Hoffnung, sie wiederzusehen, gerade aufgegeben, wurden wir von einem ihrer Kollegen auf das Problem angesprochen, und erklärten die Situation erneut. Und er klärte sie, zu meiner Überraschung, doch sehr pragmatisch. Abgesehen von den Herren vor uns, saßen auf einer zweier Bank am Fenster noch zwei Damen, die etwas schüchtern wirkend ohne Widerspruch ihre Plätze räumten. Und so zogen Janine und Jelli in die vordere Reihe um und ich konnte zwischen den beiden in Reihe zwei bleiben. Links von mir ein malaysisches Kopftuch und rechts eine tätowierte Türkin mit Piercing auf'm Kinn. Viele Worte wechselten wir nicht.

Damit hatte ich für den Rest des Fluges also Ruhe. Janine hatte die Beinfreiheit. Und Jelle.

So kamen wir also unterschiedlich ausgeruht in Kuala Lumpur an und stellten uns erst bei der Einreisebehörde, dann am Gepäckband und schließlich am Airport Taxi Schalter an – mit zunehmender Ungeduld bei dem Minderjährigen und der Unausgeschlafenen. Wir hatten noch grob vom letzten Jahr in Erinnerung, dass wir hier ein Ticket holen mussten, um dann am Taxistand zu einem fahrbaren Untersatz zu kommen, staunten aber doch ziemlich über den Family-Preis von 99 MYR, also etwa 25 EUR. Dafür durften wir uns auch aussuchen, ob PKW oder Van. Mangels nicht einsehbarer Tarifgestaltung blieb uns aber nicht viel anderes übrig als zu zahlen, dachten wir. Später sahen wir den Stand mit Meter-Taxis und noch viel später erfuhren wir, dass Uber wohl die beste Möglichkeit ist, günstigen Transport zu bekommen und dass ein Taxi nicht mehr als 30 MYR hätte kosten dürfen. Mit Uber hätten wir nur 13 MYR bezahlt. Oh well... lesson learned.

Das Taxi brachte uns aber problemlos zu dem Bed & Breakfast, welches wir extra in Flughafennähe gebucht hatten und wo uns ein bärtiger, freundlicher Engländer begrüßte, der sich hier offenbar mit seiner malaysischen Frau niedergelassen hatte.

Randnotiz: Während ich diese Zeilen auf der (zum Glück überdachten) Terasse unseres Bungalows in Kuta schreibe, geht ein herrlicher rauschender tropischer Regenguss mit Blitz und Donner herunter, der die palmengesäumte Pool-Landschaft mit einem grauen Schleier versieht, als würde man durch einen Wasserfall blicken.

Aber kurz noch zurück nach Kuala Lumpur bzw. den Vorort, in dem wir untergekommen waren,... Jelli verfiel schon im Taxi in den unschuldigen Tiefschlaf, dessen wohl nur Kinder fähig sind, und ließ sich beim Bed & Breakfast auch protestlos in den Buggy umbuchsieren, wo er denn auch weiterschlief, während wir uns im Zimmer kurz frisch machten, bevor wir zu einem kurzen Spaziergang ins Dorf aufmachten. Einmal um die Mauer des B&B herum und dann dem Weg zum Dorf folgen sollten wir und fanden uns etwas zögernd auf einem wenig offiziell anmutenden Trampelpfad wieder, welcher hinter der Mauer eine Böschung hinab zu einer fußweglosen aber auch wenig befahrenen vierspurigen Straße führte. Eine Siedlung mit Geschäften und Nachtmarkt war im Dunkeln hinter einer Kreuzung erkennbar und so wagten wir den Abstieg mit dem noch immer schlafenden Jelli im Buggy.

Wir aßen, unspektakulär aber lecker, in einem typisch asiatischen Straßencafé mit Plastikstühlen und -tischen und schlürften unseren ersten frisch gepressten Wassermelonensaft. Jelli schlief weiter, auch während wir ihn wieder den holprigen Weg den Hügel zum B&B hochzerrten und wachte erst auf, als wir so gegen 23 Uhr endlich selbst eingeschlafen waren. Damit war die Nacht vorerst wieder vorbei und wir mussten uns wirklich zusammenreißen, nicht Jelli die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben. Wir bemühten uns also um elterliches Verständnis für seine Verständnislosigkeit. Wie erklärt man einem Zweieinhalbjährigen auch Jetlag? Praktisch war ja, dass im Fernseher ein USB-Stick mit diversen Filmen steckte und so hofften wir, mit »Finding Nemo« etwas gefunden zu haben, was nicht nur Jelli unterhalten könnte – umsonst gehofft. Schließlich schlief Jelli nach der gefühlt hundertsten Sanndmannfolge vom Tablet gegen 2:30 Uhr ein,... und gegen 8 Uhr weckte uns der Wecker.

So schafften wir es noch zum Frühstück, wo wir ein älteres deutsches Ehepaar trafen, die uns ihr Leid klagten, weil es auf Bali nicht mehr so schön wäre wie vor 7 Jahren und sie kaum noch Urlaubsziele auf ihrer Wunschliste hätten, die sie noch nicht bereist hatten. Und als ich nach dem Frühstück noch mit Jelli kurz im Pool planschte, begegneten wir den vom Vortag noch als freundlich in Erinnerung anhaftenden Gastwirt wieder, welcher uns eher unwirsch, um nicht zu sagen unfreundlich, darauf aufmerksam machte, dass 11 Uhr Checkout wäre. Janine kam auch kurz darauf zu uns und erzählte, dass er nun ein Taxi für uns rufen würde – am Vorabend hatte er noch angeboten, uns zum Bahnhof gefahren. Aber im Urlaub lassen wir uns von schlecht gelaunten, fremdländischen Morgenmuffeln nur selten beeindrucken und so saßen wir guter Dinge kurz darauf – Punkt 11 – im Taxi, welches tatsächlich ein Uber war. Unser erstes Uber, sozusagen.

Die Frühe Abreise vom B&B brachte mit sich, dass wir noch etwa 4 Stunden auf dem Flughafen ausharren mussten, bis wir unsere Air-Asia-Maschine nach Lombok betreten durften. Mit Jellis jüngst anerzogener Begeisterung für Flugzeuge stellte das aber kein Problem dar und eh wir's uns versahen, standen wir im Nebel der Klimaanlage des kleinen Fliegers – zugegeben, ein auch für uns alte Flughasen etwas ungewohntes Bild (siehe oben). Jelli verschlief den Start samt angehängtem Flug und wachte erst kurz vor der Landung wieder auf. Sehr angenehm.

Das Gepäck rollte vom Band, die extra Zollkontrolle hielt uns kaum auf – sollte mal wirklich alles ohne Probleme verlaufen? In der erstaunlich leeren Empfangshalle des Flughafens auf Lombok begrüßten uns als erstes die örtlichen Vertreter des Transportgewerbes, welche wir siegessicher links liegen ließen. Schon aus Deutschland hatten wir per SMS einen Fahrer organisiert, welcher uns von unserem Freund Daniel vermittelt wurde, der vor einigen Jahren längere Zeit auf Lombok verbracht und dort eine Surf-Schule aufgebaut hatte. Schon letztes Jahr hatten wir – letztlich umsonst – Daniels Kontakte bemüht und dieses Jahr war es uns erneut gelungen Fahrer und Quartier für die ersten Nächte per SMS von zuhause zu buchen. Dafür, dass wir abgeholt werden sollten, war der Empfangsbereich aber erstaunlich leer und so sorgten wir uns doch ein wenig, dass wir den Fahrer Indar verpasst hätten. Dank Flugverspätung, Gepäckwarterei und extra Zollprozedur waren wir doch etwas später draußen als angekündigt. Janine formulierte schon eine SMS an Indar, als ich Entwarnung geben konnte.

Außerhalb eines abgesperrten Bereichs vor dem Flughafen wartete eine bunte, aufgeregte Schar auf die Ankömmlinge und über ihren Köpfen stach ein Schild mit Aufschrift »JANINE« hervor. Wir wurden nicht vergessen. Indar begrüßte uns herzlich wie alte Freunde und als wir zu seinem Wagen liefen, grüßten uns vom Wegesrand überschwänglich Einheimische. Die Menschen auf Lombok sind sehr freundlich, meinte Indar. Ein wirklich toller Einstieg, fanden wir.

Auf der etwa halbstündigen Fahrt nach Kuta lernten wir unseren Fahrer besser kennen, der sich auch mit relativ geringen Englischkenntnissen gut verständlich zu machen wusste. Indar lebt in einem kleinen Dorf vor Kuta, wo wir bei einem Supermarktstop schon seine halbe Familie kennenlernten, und hatte auch einen Enkel in Jellis Alter, was ihm wohl auch die Natürlichkeit bescherte, mit der er Jelli begegnete. Jelli war begeistert, ließ sich wie selbstverständlich von ihm auf den Arm nehmen und drückte ihm sogar sein Spielzeugauto in die Hand, was er selbst seinem besten Kumpel Mika nicht anvertraut. Wir beschlossen schon insgeheim, Indar wieder zu bemühen, sollten wir nochmal eine Mitfahrgelegenheit benötigen.

Schließlich erreichten wir das Puri Rinjani Bungalow Resort, wo uns Budi überschwänglich begrüßte – ein weiterer Freund Daniels und SMS-Kontakt von uns. Die Anlage war traumhaft. Kleine Bungalows säumten eine von tropischen Pflanzen bewachsene Grünanlage mit gewundenem Pool und gegenüber der kleinen Straße vor der Rezeption rauschte das Meer, dessen Strand nur von ein paar Palmen bevölkert schien. Und all das wurde noch von Budi überstrahlt, der uns mit strahlendem Lachen begrüßte und willkommen hieß. So möchte man ankommen.


Kuta – Strand vor dem Puri Rinjani Resort
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